Algenbekämpfung Aquarium

    Viele Zaubermittel werden auf dem Aquaristikmarkt gegen Algen angeboten. Vielleicht hilft das ein oder andere kurzfristig sogar, doch oftmals geben verzweifelte Aquarienanfänger ihr schönes Hobby wegen Ratlosigkeit auf. Das muss nicht sein!
Ich möchte Ihnen einige wenige Tipps geben, wie Sie Algen Einhalt gebieten können, auch wenn Sie nicht Biologie studiert haben. Mit den nachfolgenden einfachen Regeln, hatte ich bislang zu 99% algenfreie Becken (siehe unten). Probieren Sie es aus!

 
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So ähnlich kann es auch bei Ihnen aussehen! Lesen Sie weiter!
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Nach meinen Erfahrungen gibt es eine Grundregel, die immer gilt:

Algen wachsen meist dort, wo richtige Pflanzen schlecht, zu langsam oder gar nicht wachsen!

Das heißt, die wichtigtse Methode, um Algen zu bekämpfen ist, meine anderen Pflanzen zum Wachsen zu bringen. Dabei sollte Sie die nachfolgende Punkte unbedingt beachten:

 

1.

 

Es gibt nur 3 Faktoren, die meine Pflanzen beeinflussen: Wasser, Licht, Boden!

Wenn es nicht an diesen liegt, haben Sie Giftstoffe ins Becken eingebracht (Alles schon erlebt!). Prüfen Sie Geräte, Steine oder andere Deko-Gegenstände auf Schadstoffe! Im Zweifel raus damit!

Einen ordentlichen Boden kann man überall erwerben. Als Anfänger nehme ich am besten eine Körnung irgendwo zwischen 2 und 4. Dies enspricht ca. groben Sand. (Tipp: Es gilt: Dunkler Boden = Glücklichere Fische, außerdem sieht man dort den wichtigen Mulm bzw. Dreck nicht so, den brauchen wir als Nährstofflieferant.) Je höher, desto besser, 5cm sind Pflicht!

Bleiben noch Wasser und Licht. Und hier liegt schon das erste Geheimnis: Wichtig ist:

Passt mein Licht/Wasser zu meinen Pflanzen?

Eine schwierige Frage! Es gibt unzählige Varianten dieser 2 Faktoren.

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2.
 

Richten Sie sich nach Ihrem Wasser!

Ich rate Ihnen: Machen Sie es sich als Anfänger leicht!
Richten Sie sich nach dem Wasser, dass Sie haben. Den Rest kann man entsprechend kaufen.

Und damit es nicht zu kompliziert wird, legen wir einfach folgendes fest: Entweder, Sie haben weiches oder hartes Wasser. Lassen Sie Ihr Wasser in der nächsten Zoohandlung auf Härte testen oder rufen Sie einfach bei Ihrem Wasserlieferanten an. (Natürlich spielen die anderen Wasserwerte wie pH-Wert, Salzgehalt, Temperatur usw. auch eine wichtige Rolle, aber für unsere Zwecke reicht uns vorerst der Härtewert.) Alles bis ca. 10 Grad Deutsche Härte erachten wir noch als weich, darüber wird es hart.

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3.
 

Wählen Sie das korrekte Licht!

Eigentlich gibt es grundsätzlich 2 Beckenvarianten:

1. Weiches Wasser, viel Licht
2. Hartes Wasser, wenig Licht

Dies ist natürlich stark vereinfacht, aber schauen Sie sich zur Verdeutlichung folgendes Diagramm an:
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Exkurs:
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In diesem Diagramm habe ich einzelne Pflanzen danach geordnet, welche Härte sie maximal aushalten im Verhältnis dazu, wieviel Licht sie mindestens brauchen (Kein Anspruch auf Exaktheit!). Auch wenn Sie vielleicht nicht alles lesen können, wird ein Trend erkennbar:

Je härter mein Wasser, desto weniger Licht brauche ich.

Nun ist es allerdings nicht so, dass Sie bei weichem Wasser unbedingt einen Halogenstrahler brauchen. Eigentlich kann man sagen, das bei weichem Wasser sehr viele Pflanzen sehr gut wachsen. Auch die Pflanzen, die härteres Wasser aushalten und weniger Licht benötigen, wachsen meist bei weichem Wasser. Umgedreht gilt dies aber leider nicht. Wie kann man das ganze nun anwenden?

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4.

 

Wählen Sie die richtigen Pflanzen!

Bei Algen gilt: Je schneller meine Pflanzen wachsen, desto schlechter geht's den Algen. Wichtig: Bleiben Sie im Trend! Je heller, desto mehr lichthungrige Pflanzen und umgekehrt!

Sie haben weiches Wasser?
Sie haben Glück! Sie können sich aussuchen, welche Pflanzen Sie einsetzten möchten. Um dem Algenwuchs vorzubeugen, empfehle ich schnellwachsende Stengelpflanzen und dazu ein pflanzenförderndes Spektrum in einem hellem Warmton.
(Aus eigener Erfahrung empfehle ich folgende Marken: Narva nature superb, Dennerle special plant, Giesemann Megachrome Tropic.)

Wichtig: Je mehr Licht Sie einsetzten, desto mehr Pflanzen brauchen Sie, die dieses Licht "verarbeiten" und entsprechend schnell wachsen. Sonst kommen halt die Pflanzen, die wir nicht wollen: Algen.

Schnelles Wachstum heisst auch mehr Dünger. Manch einer fragt sich wieso nix wächst, dabei verhungern seine Pflänzchen elendig. pix

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Sie haben hartes Wasser?
Kein Grund zum verzweifeln! Einige Pflanzen haben sich auf Ihr Wasser spezialisiert. Suchen Sie gezielt nach Anubias, Cryptocorynen, Schwarzwurzelfarnen oder Wasserfreunden. Auch einige Ludwigienarten, viele Moosarten und z.B. die wunderschöne Hakenlilie aus Thailand wachsen bei hartem Wasser und wenig Licht zufriedenstellend.

Wichtig: Sorgen Sie für ein gute, aber nicht zu helle Beleuchtung! Schwimmpflanzen, weniger Röhren, das Weglassen der Reflektoren oder dicke Wurzeln können für schattige Plätze sorgen. Dort fühlen sich Anubias und Co auf jeden Fall wohl.

Die meisten dieser Pflanzen wachsen recht langsam, weshalb ein Übermaß an Licht nur Algen anlockt, welche die "überschüssige Lichtenergie" verbrauchen. Das Spektrum kann dennoch ein pflanzenförderndes Spektrum sein! Die meisten Schwierigkeiten hatte ich bei langsam-wachsenden Pflanzen und Tageslicht-Röhren. Bei "dunkleren" Becken setzte ich gern blaue Röhren ein, um die Fische zum Strahlen zu bringen.

(Extrem hartes Wasser >20°dH ist für die Pflanzen-Aquaristik m.E. nicht mehr zu gebrauchen. In solchen Fällen empfielt sich eine Regenwasser-Sammelanlage)
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Sie wollen noch mehr Anti-Algen-Power?


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Anti-Algenpaket

 

Es gibt einige Pflanzen, die an sich immer wachsen und dazu noch in rasantem Tempo. Diese Arten, wie z.B. das Hornblatt, Ludwigien oder Wasserpest habe ich für Sie in einem Anti-Algenpaket zusammengefasst. Mit diesem Set erhalten Sie nur schnellwachsnede Pflanzen, welche einfach zu halten sind und die als Schattenspender oder einfach durch ihre große Blattmasse keinen Raum für Algen lassen. So ist z.B. die Lotus eine ziemlich lichthungrige Pflanze, die mit ihren tellerartigen Blättern jede Menge Licht geradezu "aufsaugt".

Achten Sie bei diesen Pflanzen auf eine regelmäßige Düngung sowie Auslichtung.

Direkt zum Angebot gelangen Sie hier.


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5.
 

Großer Filter -gaaaanz langsam!
Je größer der Filter, desto mehr Bakterien bereiten ständig Ihr Wasser auf. Dazu ist es wichtig, dass Ihr Wasser möglichst langsam durch den Filter fließt. Sonst sitzen die Bakterien quasi ständig im Sturm und da lässt es sich schwer arbeiten.

Übrigens, in meinen Filtern verzichte ich gänzlich auf Kohle, Nitratsenker oder sonstiges Zubehör. Ich habe nur Watte und Schaumstoffmatten sowie einige Tonröllchen für die Bakterien. Reicht!
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6.
 

Sauerstoff weg!
Keine Angst, ich möchte nicht Ihre Fische ermorden! Aber für unsere Zwecke ist es wichtig, alle zusätzlichen Sauerstoffsprudler, -umwälzer oder -düsen zu verbannen. Viele Pflanzen wachsen besser in einem sogenannten "reduzierenden" Milieu. D.h. im Wasser ist möglichst wenig Sauerstoff. Aber Achtung! Natürlich brauchen Ihre Fische Luft! In einem ausreichend bepflanzten Becken produzieren die Pflanzen genug Sauerstoff. Nachts oder bei speziellen Arten kann das aber zu wenig sein. Regeln Sie die Luftzufuhr oder den Filter langsam nach unten. Ihre Fische werden Ihnen nach kurzer Zeit anzeigen, wenn Sie keine Luft mehr haben: Sie pumpen dann deutlich stärker Wasser durch ihre Kiemen. Regeln Sie wieder so hoch, dass sie normal atmen. Schwimmen die Tiere zur Oberfläche ist Alarm angesagt! Das war definitiv zu wenig Luft!

Übrigens extra Sprudelbelüftung gibt es in keinem meiner Becken. Das brauchen meist nur Fischzüchter wegen Überbesetzung - Algen sind da egal.
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7.
 
Holen Sie sich Hilfe!
Gegen einige Algenarten gibt es professionelle Hilfe! Die sollten Sie nutzen: Anerkannte Algenfresser sind z.B. Black Mollys, Amano-Garnelen, Rennschnecken oder junge Saugwelse. Doch Vorsicht, letztere werden schnell groß und finden Futtertabletten viel besser. Damit Sie einen spürbaren Effekt haben, sollten Sie schon eine kleine Mannschaft einsetzten. In meinem (eingefahrenen!) 300L Becken tummeln sich so ca. 10-12 Garnelen.
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8.   Gut Ding will Weile haben!
Wer startet hat es schwerer. Eingefahrene Becken mit ca. 1 Jahr Laufzeit sind meist algenfrei. Wichtig beim Kampf gegen Algen ist das Gleichgewicht zu finden. Dies stellt sich meiste erst nach mehreren Monaten ein. Also durchhalten!
 
9.
 

Hab ich alles probiert - hilft ja doch nicht?
Es gibt Algenarten, die schwerer aus den Becken zu verbannen sind, wie z.B. die allseits verhassten Pinselalgen oder auch Fadenalgen. In solchen Fällen hatte ich meist das Problem, dass das Grundkonzept des Beckens nicht stimmte. Das betrifft besonders Beckenhöhe in Verhältnis zur Lichtmenge. In besagten Fällen waren stets Beckenhöhe zu niedrig (ca. 40cm) mit zu starker Bleuchtung (4 x T5) bei zu hartem Wasser (ca. 8 Grad dH). Bei diesen Becken habe ich Algenfreiheit erreicht, indem ich das Wasser tatsächlich unter 4 Grad dH gesenkt habe. (Übrigens: Als ich mein Wasser unter 4 GdH hatte, konnte ich jede Wochen einen Eimer Pflanzen "ernten".)
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Ansonsten noch zwei drei Hinweise dazu:

- Manchmal hat man großes Pech und der Wasserlieferant ist nicht der Beste. Lassen Sie sich die Wasserwerte von Ihrem zuständigem Lieferanten schicken oder prüfen Sie am besten selbst auf Nitragehalt, Schwermetalle, Ammoniak, Eisen usw. Ich habe es auch schon erlebt, dass aus der Leitung Wasser mit hohem Nitratwerten kam, besonders im Winter (natürlich alles im vorgeschriebenem Toleranzbereich). Mitunter habe ich den ganzen Winter kein Wasser gewechselt deswegen.

- Ein guter Boden trägt auch maßgeblich zu einem algenfreien Klima bei. Eine Höhe von 7-8cm sollte er schon haben - nicht zu fein und nicht zu grob (kleine Becken mind. 5cm)! Dann nisten sich dort weitere fleißige Bakterienhelferlein ein. Sie können auch ein paar Turmdeckleschnecken mit einsetzten, die wirken so ähnlich wie Regenwürmer. Also: falls zu niedrig, stocken Sie auf! Ich habe schon algenfreie Becken ganz ohne (!) Pflanzen gefahren, aber mit einem Super-Boden!

- Spektrum kann entscheidend sein! Sie fragen sich schon lange, warum die Röhren von Dennerle so teuer sind? Einfach Tageslichtröhren helfen bei einem Algen-Problem nicht mehr. Geben Sie hier lieber 3 Euro mehr aus und holen Sie sich die pflanzenfördernden Leuchten. Schauen Sie nach den Kelvin! Billige Nachahmer kommen meist nicht unter 5500 Kelvin!

Wer tatsächlich alle Tipps beherzigt hat und trotzdem kein Erfolg verzeichnen kann, der sollte sich vom Fachmann beraten lassen. (Tipp: Fragen Sie gezielt nach einem Termin für einen Hausbesuch!)
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10.
 

Die Holzhammer-Methode
Hier noch ein Fall, der sich zwar nicht als allgemein praktizierbar, aber als "interessant zu wissen" herausgstellt hat. Also bitte nicht nachmachen!

Ich hatte mal ein Becken mit Diskussen, das war anfangs total veralgt. Da es nur für die Fische als Übergangslösung gedacht war, war es nicht so wichtig. Über einen längeren Zeitraum konnte ich dort die Wasserwerte nicht überprüfen, so dass ich nur per Sichtkontrolle kurz nachgesehen hatte, ob alles fit ist. Erstaunlicherweise wurde das Becken immer schöner und die Algen verschwanden plötzlich. Die Fische schwammen munter hin und her und freuten sich des Lebens. Nun wollte ich es doch genau wissen und zückte schweres Gerät. Erschrocken las ich den pH-Wert ab: 3,5! Klar, in Säure mögen Algen nicht wachsen. Ich dachte mir, wieso haben die Fische kein Problem? Aber dann fiel es mir ein. Diskusse machen das mit, die Schwimmen in Natura auch bei Härte 0 rum. Da kann es auch mal sauer werden. Die meisten anderen Fische wären wahrscheinlich schlingernd zu Boden gegangen.

Ergo: Besonders bei hartnäckigen Fadenalgen hatte ich schon oft Glück, wenn ich den pH-Wert für längere Zeit unter 6 gehalten habe. Das ging natürlich nur, weil ich dort alles Salmler und Amazonasbarsche pflegte, die fanden das toll und fingen gleich an mit Laichen.

(Den pH-Wert der Diskusse hab ich natürlich langsam wieder angehoben. Das war mir dann doch zu heikel.)
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11.
 
Zu guter letzt:
Total Algen-cleane Becken sind etwas für Profis wie Amano und Co. und selbst die werden da einiges an Handarbeit leisten. In einigen meiner schönsten Becken habe ich auch hier und da mal eine Alge, z.B. am Filterausgang. Doch das juckt mich überhaupt nicht, da alle anderen Pflanzen so vor Kraft und Wachstum strotzen, dass niemand dieses winzige Älgchen im Hintergrund bemerkt. Außerdem wollen die Welse, Garnelen und Rennschnecken ja auch noch was zu beißen haben, falls das Frühstück mal ausfällt. Also ärgern Sie sich nicht: Solange Ihre Pflanzen gut wachsen, ist eine Alge noch kein Weltuntergang.

 

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